Weihnachten unter Palmen (2)

Nach dem Weihnachtsfest wurde bei Spiegel online und bestimmt auch in anderen Medien – wie in jedem Jahr – ein Artikel veröffentlicht, bei denen der alljährliche Wahnsinn zu Weihnachten – Fressen, Saufen, Konsum, Frust – bejammert wurde. Schlusswort: alles doof, nächstes Jahr machen wir es trotzdem wieder so.

Wir wollten es dieses Jahr (2013) einmal anders machen – nicht vordergründig wegen Weihnachten, sondern weil wir zu dritt viel Zeit verbringen wollten, abseits unseres Berliner Alltags und des deutschen Winters. Dass das die Weihnachtszeit eingeschlossen hat – ein bisschen Zufall, ein bisschen Absicht. Einfach mal ausprobieren, ob Weihnachten unter Palmen etwas für uns ist und wie es sich für uns anfühlt an Weihnachten keine 2.500 km im Auto zu verbringen, nicht mehrere Familien in kürzester Zeit anzufahren, nicht überall viel zu viel zu essen und außer dem obligatorischen Weihnachtsnachmittagsspaziergang nichts weiter zu tun. Auch wenn Weihnachten bislang für uns nicht nur “Fressen, Saufen, Konsum und Frust” hieß. Es ist schön unsere Familien an Weihnachten zu sehen, insbesondere, weil sie nicht Tür an Tür mit uns wohnen, aber es war eben doch immer anstrengend – besonders in der Masse. Weihnachten ist für uns – Uwe und mich – kein Kirchenfest, aber es ist ein Familienfest. Wenn ich Ruhe und Zeit habe, dann kümmer ich mich sehr gerne um Geschenke – ein Zeichen für jeden, dass ich an ihn oder sie gedacht habe und er oder sie mir wichtig sind – Partner, Freunde, Familie, Kollegen. Manchmal ist auch nicht wirklich Zeit dafür, dann wird es hektisch und stressig, aber in der Situation dann darauf zu verzichten scheint unmöglich. Die Zeit für Besinnlichkeit bleibt dabei auf der Strecke.

Dieses Jahr ist alles anders – kein Autofahren, kein Vollfressen, kein Geschenkebesorgen. Keiner hat unsere Adresse (reiner Zufall, wir kennen sie auch nicht, nur unseren Längen- und Breitengrad inkl. Wegbeschreibung), allen haben wir gesagt, dass wir keine Geschenke wollen und auch dieses Jahr nichts verschenken werden. Aber: Liebe Freunde, liebe Familie, liebe Kollegen, wir haben an Euch gedacht. Ich bin mir sicher, dass wir dabei keinen vergessen haben und vielleicht habt ihr das gespürt, auch wenn von uns eine Weihnachtsmail, eine SMS, ein Anruf oder ähnliches ausblieb. Die Feiertage haben wir super verbracht: Ausflüge, Karten gespielt, Elli beobachtet und für sie Türmchen gebaut, in der Sonne gesessen, leckeren Fisch gegessen und uns entspannt. Ein Geschenk gab es dann doch: eine Froschhandpuppe.

Weihnachten hat sich für uns verändert. Wir haben ein Gefühl dafür bekommen, wie uns Weihnachten gefällt und werden zukünftig mit Sicherheit weiterhin unseren eigenen Weg finden Weihnachten zu begehen – ohne Stress.
Auch meine Mama (für die ist Weihnachten ein Familien- und Kirchenfest) war am Anfang ein bisschen skeptisch wie sich Weihnachten ohne Schnee, Adventskranz, Weihnachtsbaum und co anfühlen würde, hat sich auf das Experiment eingelassen und ihren eigenen Text dazu verfasst:

“Weihnachten unter Palmen – das konnte ich mir nicht so genau vorstellen. 20 Grad plus, Menschen mit Badehosen am Strand – wie kann man da an Weihnachten denken.
Aber es war ganz anders, Achim und ich besuchten den deutschsprachigen katholischen Gottesdienst am 24. Dezember in Puerto de la Cruz. In der Kirche war jeder Gedanke an draußen verschwunden, zumal wir zu früh waren und noch einem spanischen Chor mit wunderschönen Weihnachtsliedern zuhören durften. Die Predigt hat uns zugesagt und wir haben innerlich ein großes Gefühl von Weite erfahren.
Am Abend waren in unserem Bergdorf Icod die Straßen leer, Weihnachten ist eben auch hier ein Familienfest.
In vielen Teilen der Welt feiern Menschen Weihnachten, dazu braucht man nicht unbedingt Schnee im Allgäu oder Schmuddelwetter in der Heimat. Uns ging es ohne Stress gut.

Wir wünschen allen ein gesundes und friedvolles Jahr 2014.”

Ein Gedanke zu “Weihnachten unter Palmen (2)

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